Oblatenmissionare gründen neues Kloster in Essen-Kray

Eröffnung des neuen Hauses St. Eugen von Mazenod am 12.12.2021

Mit einem Gottesdienst haben die Oblaten M.I., die Gemeinde St. Barbara Essen-Kray und viele Gäste am dritten Advent die Gründung des Klosters gefeiert.

Die Messe zelebrierten der Essener Weihbischof Ludger Schepers, der Pfarrer von St. Laurentius Andreas Geßmann und Pater Felix Rehbock, Provinzial der Mitteleuropäischen Provinz der Oblatenmissionare. Pater Rehbock segnete zudem die neuen Klosterräume und die Kapelle im ehemaligen Pfarrhaus von Essen-Kray.

Die neue Niederlassung ist nun das Zuhause von drei Patres: Jens Watteroth, Waldemar Brysch und Thomas Wittemann.

Die drei werden künftig in den Pfarreien St. Laurentius im Essener Osten und der Pfarrei St. Gertrud von Brabant in Bochum-Wattenscheid tätig sein. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit soll zudem rund um die Krayer Kirche St. Barbara liegen, die zur Pfarrei St. Laurentius gehört. St. Barbara wird in den kommenden Jahren zu einer Gastkirche umgebaut. Neben einem Ort für Gebet und Gemeindeleben soll die Kirche im Zentrum des Stadtteils auch eine Anlaufstelle für Menschen mit den unterschiedlichsten Anliegen und Problemen werden.


Schepers: Güte soll ein Markenzeichen des neuen Klosters werden
Weihbischof Schepers stellte im Gottesdienst die beiden Begriffe Freude und Güte aus der Lesung des dritten Adventssonntags ins Zentrum seiner Begrüßung: „Wie groß war und ist die Freude in der Pfarrei und in der Gemeinde hier in Kray über den Einzug der drei Oblatenpatres und über ihr neues Kloster, wie groß die Freude, dass die drei Ordensmänner das wichtige Projekt der Gastkirche hier in St. Barbara mit unterstützen wollen!“, sagte Schepers. Die im biblischen Text erwähnte Güte solle „ein Markenzeichen für das neue Kloster werden“, wünschte der Weihbischof. Durch das Leben und Wirken der Oblaten solle „ihre Güte alle Menschen bekannt werden“.


Provinzial: „Wir wollen Ausrufezeichen sein für Gottes Gegenwart!“
Nach vielen Fragezeichen im Vorfeld der Klostergründung bringe er heute „drei Ausrufezeichen“ nach Kray, sagte der Provinzial Pater Felix Rehbock in seiner Predigt mit Blick auf die drei Patres seines Ordens. „Wir wollen Ausrufezeichen sein für Gottes Gegenwart!“ Oblaten lebten nicht „in einer Sonderwelt, sondern mittendrin“ hob Rehbock hervor. „Was beschäftigt uns, was beschäftigt die Menschen hier? Was sind die großen Fragen jetzt, zwischen Corona, der Sorge um Arbeitsplätze, der multikulturellen Realität, die wir hier haben?“

Auch wenn der dritte Adventssonntag in der Kirche unter dem Stichwort der Freude stehe, gebe es viele Menschen, die in diesen Tagen nichts zu lachen hätten, betonte Rehbock. Gerade sie bräuchten die Ausrufezeichen, die Mut machen; dazu rufe die Bibel auf: „Lasst die Hände nicht sinken! Verliert nicht den Mut! Schaut, Gott hat euch in der Vergangenheit immer wieder Gründe gegeben, euch zu freuen. Er wird das auch in Zukunft tun, auch wenn ihr das momentan beim besten Willen nicht glauben könnt.“ Seinen drei Mitbrüdern wünschte Pater Felix Rehbock: „Taucht bei Gott ein, dann taucht ihr in der Nähe der Menschen wieder auf. Lebt das Evangelium und diese Hoffnung – diese Freude mit den Menschen hier in Essen-Kray.“


Für die Gemeinde wirken die Patres „wie ein Zeichen vom Himmel“
Darauf ist Elke Scheermesser schon gespannt. Zusammen mit Petra Haake und Eva Schmelnik leitet sie ehrenamtlich die Gemeinde St. Barbara, seit der letzte Pastor dort vor eineinhalb Jahren in den Ruhestand gegangen ist. „Die Gemeinde freut sich natürlich total über das neue Kloster“, sagt Scheermesser. Gerade mit Blick auf das Projekt der Gastkirche erschien die Nachricht, dass die Gemeinde nun von drei hauptamtlichen Priestern unterstützt wird „wie ein Zeichen vom Himmel“. In den vergangenen Jahren sei es erst darum gegangenen, die Gemeinde von der Idee der Gastkirche zu überzeugen, und dann gemeinsam erste Schritte zu gehen. „Doch dann hieß es: ,Das ist ja eine tolle Idee, aber …‘ – und dieses ,Aber‘ war oft so viel größer als unsere Vision“, erinnert sich Scheermesser. Als dann auch noch Corona die ersten zaghaften Versuche eines Cafés in der Kirche ausbremste, sei die Nachricht von den drei Patres, die gerade ein solches caritatives Projekt suchten, ein enormer Motivationsschub gewesen.

Gemeinsam mit den Patres und den Ehrenamtlichen im Team soll nun überlegt werden, wie das Projekt weiter angeschoben werden kann. Scheermesser träumt zumindest von kleineren Umbauten in der Kirche, etwa einer Küchenzeile und Toiletten, um demnächst vielleicht sowohl für die Kirchenbesucher als auch zum Beispiel für Obdachlose und andere Bedürftige ein Café in der Kirche einzurichten. Immerhin: Ein großer Tisch steht bereits im Kirchenschiff zwischen den letzten beiden Bankreihen. Und seine gastlichen Qualitäten konnte dieser ungewöhnliche Platz bei der Einweihungsfeier am Sonntag schon bestens unter Beweis stellen.

 

So kann ein neues Bild von Kirche entstehen

Auch die drei Ordensleute freuen sich sehr auf ihre neue Aufgabe: „Wir sind dankbar, dass es möglich ist, ein neues Oblatenkloster zu gründen. Es bewegt mich sehr, zu erleben, wie herzlich wir hier aufgenommen werden und wie groß die Unterstützung ist, von Seiten der Ordensgemeinschaft, aber gerade auch von den Menschen hier vor Ort“, so Pater Jens Watteroth. Da helfe es, dass „die Menschen im Ruhrgebiet sehr unkompliziert und offen für Gespräche sind“, hat Pater Waldemar Brysch schon festgestellt. Das passt zum Charisma der Gemeinschaft: „Wir schauen auf das, was unser Ordensgründer gesagt hat: Wir sollen zu den Menschen gehen. So kann dann ein neues Bild von Kirche entstehen, offen und gastfreundlich“, sagt Pater Thomas Wittemann

Thomas Ruenker / Maximilian Röll